Vierbeinige Erzieher
Bogatynia startet ein eigenwilliges Projekt zum Umgang mit gewaltbereiten
Kindern
Von Janusz Grzeszczuk
Zwei Schäferhunde sind seit kurzem als Aushilfslehrer in Bogatynia
(Reichenau) unterwegs. Sie unterstützen Lehrer in ihrer Arbeit mit
gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen. Die deutschen Schäferhunde stehen
nicht bissig, sondern als Freund vor den Kindern. Aus dem Umgang mit den
gutmütigen Tieren sollen die Jugendlichen lernen: Wie verhalte ich mich
richtig gegenüber meinen Mitmenschen?
Die Stadt Bogatynia hat sich die ungewöhnliche Lehrmethode einfallen lassen.
Denn das Thema Gewalt und Jugend betrifft sie wie viele polnische Kommunen.
In Zusammenarbeit mit städtischer Polizei, Lehrerinnen und Lehrern sowie
bekannten Psychologen ist man daran gegangen, den Ort sicherer zu machen.
Dazu gehört auch die Gewaltprävention an und um Schulen.
Gewalt in der Familie
ist für Kinder oft Alltag
In der ersten Jahreshälfte 2004 hielten Beamte von Polizei, Gericht und
Grenzschutz Vorträge und zeigten Beispiele aus der täglichen Praxis. Dabei
führten sie auch immer die Spürhunde-Dressur vor. Das brachte die
Verantwortlichen in Stadt und Schule auf eine neue Idee, um dem Problem
Gewalt in der Familie etwas entgegensetzen zu können. Behörden können die
primäre, das heißt familiäre Gewalt schwer eindämmen. Nur die Folgen für die
Kinder kann man etwas mildern.
Jugendliche aus Familien, in denen Erziehung statt mit Güte und Milde nur
durch Schläge und Geschrei passiert, nehmen das Erlebte mit auf die Straße
und in die Schule. Sie treten mit ihrer Umgebung auf die gleiche, gewaltsame
Weise in Kontakt und kennen keine Alternativen dazu.
Die Bogatynier Sozialarbeiterin Beata Majewska und der Hundeführer Robert
Köhler wollen mit ihren Vierbeinern den betroffenen Gewaltopfern zeigen, wie
man durch sein Verhalten auf die Hunde wirken kann. Auf den ersten Blick
schauen die Tiere recht grimmig drein und sorgen schon mal für Respekt. Aber
ums Einschüchtern geht es nicht. Majewska und Köhler erklären den Schülern,
wie die Hunderasse ihre scheinbare Aggressivität ablegt und rasch ein guter
Gefährte werden kann – allein durch Gestik und Stimmlage. Die Hunde sind so
erzogen, dass sie nicht auf laute Worte reagieren. Im Gegenteil, sie
erkennen an der Stimme, ob die Person ihren Schutz braucht und bieten den
an. An diesem Beispiel können gewaltbereite Kinder lernen, auf welche Weise
sie sich dem Tier nähern können. Niemals durch laute Worte und unbeherrschte
Gebärden, wohl aber durch die richtige Lautstärke der Stimme. Manchem, so
hoffen die Projektleiter, könne das für sein Verhalten in Schule und
Öffentlichkeit zu denken geben und helfen, die zu Hause herrschende Lage
besser zu verarbeiten.
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=691804