Sehr geehrter Herr Dr. Zeitz,
ich schreibe Ihnen als Mitglied der FDP aus der bayerischen Landeshauptstadt.
Mit heruntergeklappter Kinnlade hab ich Aussagen von FDP-Mitgliedern aus NRW zur Kenntnis nehmen müssen, die einen für mich fast unglaublichen Meinungswechsel zum Thema Hunde erkennen lassen würde - sofern sie den Tatsachen entsprechen.
Sie mögen sich vielleicht fragen, was das jemanden aus Bayern interessieren mag?
Genau das möchte ich Ihnen gerne erklären:
Im Juni 2000 wurde Deutschland durch eine tragische Beissattacke zweier Hunde auf einen kleinen Jungen in Hamburg erschüttert, der mit dem Todes des Kindes endete.
Im umittelbaren Anschluss daran verstiegen sich ALLE im Bundestagstag vertretenen Parteien bzw. deren Mitglieder zu hoch-emotionalen Forderungen in BILD-haften Formulierungen wie "diese Kampfmaschinen müssen von der Straße" und ähnlichem.
Während wir Hundehalter aus ganz Deutschland unseren eigenen ersten Schock über dieses Ereignis selbst noch nicht ganz verdaut hatten - fanden wir uns gleichzeit innerhalb einer Kollektivschuld- und -strafe wieder, die sich vor allem in Form eines völlig unkontrollierten gewalttätigen Hundehasses wiederspiegelte. Diesem begegneten wir tagtäglich nicht nur in aller Öffentlichkeit auf offener Straße, sondern auch auf unseren privatem Grund und Boden. Dieser flammende Hass traf nicht nur Halter bestimmter Rassen, er machte selbst vor älteren Mitbürgern mit ihren Dackeln und Pudeln oder blinden Menschen mit ihren vierbeinigen Helfern nicht Halt.
Nicht nur, dass sowohl die Politik als auch die Medien nichts taten, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten - sie schürten diesen Hundehass noch immer weiter. Selbst hier in München gingen Hundehalter lange Zeit heimlich nachts mit ihren Tieren spazieren, egal welcher Größe oder Rasse.
Ein weitere Steigerung dieser Situation entstand, als plötzlich aus allen Schubladen Hundeverordnungen quollen und übers Volk gestreut wurden, zu dessen angeblicher Sicherheit einzelne Rassen zu "Kampfhunden" erklärt wurden. Es war die FDP, die hier noch einen obendrauf setzte und einen Antrag stellte, die sogenannten "Kampfhundrassen" (in NRW damals bis auf 49 angewachsen) zu Waffen zu erklären und deren Besitz gesetzlich auch genauso zu handhaben.
Dies war gleichzeitig der Wendepunkt, an dem die FDP sich zu einer sachlichen Behandlung dieses Themas zu entschloss und diesen bis heute auch konsequent verfolgt (mit Ausnahme von meines Wissen nach zweier Landesparlamente):
Der Antrag wurde zurückgezogen, die FDP veröffentlichte statt dessen ein 10-Punkte-Programm, das anstatt vorgegaukelter Sicherheit durch Auflistung von Rassen mit angeblich böser Naturen, eine echte Erhöhrung an Sicherheit der Bevölkerung vor tatsächlich gefährlichen Hunden gewährleisten sollte.
Es war zunächst schlichte Dankbarkeit, weshalb die FDP einige Parteieintritte aufgrund ihrer sachlichen Haltung UND Diskussionsbereitschaft verzeichnen konnte. Es war unsere grundsätzliche Überzeugung, dass eine per se sachlich-nüchterne Behandlung dieses Themas sich wohl am besten mit einer Partei vereinbaren lässt, der nicht nur eine liberale Grundhaltung zu eigen ist, sondern die sich vor allem für den Erhalt von grundlegenden Bürgerrechten und somit auch logischerweise gegen eine stetig zunehmende Bürokratisierung und Gesetzesstrickerei mit heissen Nadeln wendet. Den Freien Demokraten nämlich. Bis Ende 2000 und auch noch während des Jahres 2001 durften FDP-Politiker in ganz Deutschland wahre "Päckchen" von Mitgliedsanträgen meist persönlich entgegennehmen.
Aus genau diesem Grund erfolgte auch mein Beitritt im Dezember 2000. Die meisten der mir persönlich bekannten Hundehalter, die diesen Schritt mit mir gemeinsam gingen, hielten der FDP auch in ihren schwierigeren Phasen die Treue - als selbst so altgediente Mitglieder wie Frau Hamm-Brücher ihr den Rücken kehrten. Ich gehe nicht davon aus, dass dies allen so verhältnismässig leicht gefallen sein mag wie mir.
Sollten sich die derzeit kursierenden Gerüchte um den Kurswechsel der FDP NRW in völliger Windstille bewahrheiten - sollten Sie nicht davon ausgehen, dass Menschen wie ich, die in voller Überzeugung einer liberalen Partei beigetreten sind, auch liberal genug sind, ihr ebenso überzeugt wieder den Rücken zu kehren.
Für meine Person zumindest wird dies nicht gelten. Stattdessen werde ich auf die Einhaltung der Grundsätze meiner Partei bestehen und aus diesem Grund meine Mitgliedschaft sehr wohl aufrecht erhalten. Ebenso wie ich immer auch zu meinen Hund stand und DESSEN Grundverständnisse bis heute verteidige - werde ich auch um dieses so elementar wichtige Grundverständnis meiner Partei kämpfen. Auch wenn ich nur eine kleine Nummer 22626902 der Bayerischen FDP bin - und bleibe.
Sehr geehrter Herr Dr. Zeitz, ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn die angesprochenen Gerüchte nur luftleere Wahlenten oder verbale Entgleisungen einzelner hier nicht genannter Personen sind.
In Anbetracht der bei Ihnen jetzt anstehenden Wahlen würde ich Sie dann bitten, Ihr Möglichstes zu versuchen, diesen unsäglichen Äusserungen unverzüglich Einhalt zu gebieten und den jetzt entstandenen Eindruck schnellstmöglichst bei Ihren (potentiellen) Wählern zu korrigieren.
Mit herzlichem Dank und freundlichen Grüßen
Gabriele C. Woiwode
München
PS: Selbstverständlich werde ich dieses Schreiben auch an andere Mitglieder der FDP senden...