Offener Brief
an FDP im Rathaus Düsseldorf
Herrn Dr. Martin Alexander Zeitz, Fraktionsvorsitzender
FDP-Meinung über Hundehaltung in Düsseldorf/NRW
Sehr geehrter Herr Dr. Zeitz,
da ich keiner Partei die schnelle Lösung der allgemeinen Probleme zutraue, habe ich bereits die Stimmen zur Kommunalwahl meinen persönlichen Interessen - dem Familienmitglied Hund - gewidmet.
Sowohl Sie persönlich als OB-Kandidat als auch Ihre Partei erhielten als seinerzeit hundefreundlichste Partei in Düsseldorf (und NRW) meine Kommunalwahlstimmen.
Seit vergangenen Mittwoch stelle ich mir allerdings sehr ernsthaft die Frage, welche Partei ich am kommenden Sonntag zur Landtagswahl wählen soll.
Zwar war ich beruflich bedingt nicht persönlich im Rathaus anwesend, aber mehrere Zeugen, u.a. Mitglieder meines Vereins Menschen Tiere Werte e.V. berichteten mir übereinstimmend, dass Frau Monika Lehmhaus als Repräsentantin und Ratsfrau der FDP Düsseldorf und als Vorsitzende des Anregungs- und Beschwerdeausschusses u.a. folgenden Satz - laut und deutlich für alle Anwesenden zu hören - zu der Beschwerdeführerin gesagt haben soll:
"Wenn Sie nicht wissen, wo Sie Ihren Hund laufen lassen können, dann schaffen Sie sich keinen Hund an."
Sehr geehrter Herr Dr. Zeitz, auch mir persönlich ist Frau Lehmhaus zwar bereits mehrfach zu anderen Themen aufgefallen, weil sie meiner Meinung nach zu "oberlehrerhaftem Wortabschneiden" und rätselhafter "Sachkenntnis" über Hunde neigt, aber ich frage Sie hiermit öffentlich:
Entspricht dieses Zitat
1.) der mir völlig neuen Meinung der FDP über Hundehalter und Hundehaltung ???
2.) der mir neuen Auffassung über Persönlichkeitsrechte mündiger Bürger ?
3.) der Meinung der FDP, dass ca. 18.000 Düsseldorfer Hundehalter einen Fehler begangen haben - und diesen möglicherweise zu korrigieren haben - weil sie vor oder nach der "Anschaffung" ihres vierbeinigen Familienmitglieds mit inkompetenten Politikern und deren von Medien "diktierten" Vorschriften konfrontiert und zum wohl größten Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung ernannt wurden ?
Sie persönlich als OB-Kandidat und die FDP als Ihre Partei haben nicht nur meine Wählerstimme, sondern die Stimmen vieler Hundehalter in Düsseldorfb erhalten - und zwar, weil Sie sich vor der Wahl als äußerst hunde- und hundehalterfreundlich und sogar sachkundig geäussert haben !
Ich erinnere Sie einerseits an das persönliche und ausführliche Gespräch im Rathaus, das ich mit Ihnen Anfang September 2004 im Namen des Vereins Menschen Tiere Werte geführt habe und bei dem es um die Probleme der Hundehaltung aus der Sicht der überwiegend verantwortungsvollen Hundehalter in Düsseldorf ging. Vielleicht erinnern Sie sich, dass diese Probleme in Düsseldorf vor allem auf einer veralteten Straßenordnung mit "generellem Anleinzwang" (Ausnahme 29 Hundetoiletten) basieren, die u.E. auch juristisch im Widerspruch zum aktuellen Landeshundegesetz und Landesforstgesetz steht und zudem sehr aktiv durch den leider oft willkürlich und ohne Augenmaß handelnden OSD umgesetzt wird. Sie sagten Ihre Unterstützung zu und betonten mehrmals sehr ausdrücklich, dass die FDP Düsseldorf zum Thema Hund absolut konform mit der FDP NRW geht.
Außerdem erinnere ich Sie an den "dog-day" am 11.09.2004. Sie haben nicht nur unsere Unterschriftensammlung für Freilaufgebiete durch eigene Unterschrift unterstützt, sondern für Ihr sachkundiges Statement großen Beifall der Zuhörer (und anschliessend Wählerstimmen) erhalten. Vor allem, als Sie nach dem Statement von Ratsherr Helmut Bosse (CDU), der die leider veraltete Straßenordnung im Hinblick auf die Erneuerung des Landeshundegesetzes bestätigte, noch einmal zum Mikrofon griffen und Herrn Bosse öffentlich aufforderten, das Thema Straßenordnung sofort gemeinsam zur Überarbeitung in den Verkehrsausschuss zu bringen, gab es eine applaudierende Menschenmenge. Auch mich haben Sie an diesem Tag endgültig von der FDP überzeugt.
Herr Bosse hat Ihrem Vorschlag bekanntlich direkt zugestimmt. Allerdings sind inzwischen über acht Monate vergangen ... so dass wir u.a. den Weg über den Beschwerdeausschuss wählen mußten, wo ein Jurist als im Ausschussmitglied zwar "passende" Verwaltungsvorschriften zitierte, dabei aber leider einige Paragrafen übersehen hat, die Kommunalordnungen keinen Widerspruch zu Ländergesetzen ermöglichen. Zum krönenden Abschluss - nach dem scheinbar üblichen "über den Mund fahren" - gab es von Frau Lehmhaus den oben zitierten Abschiedsgruß.
Sehr geehrter Herr Dr. Zeitz, gerade weil Sie noch im September 2004 mehrfach und sehr ausdrücklich eine Linie mit der Landes-FDP betonten, die - Dank Frau Dr. Dreckmann und Herrn Herrn Dr. Grüll - seit dem Jahr 2000 und bis zur Abstimmung über das jetzige Landeshundegesetz als erste und zunächst auch einzige Partei durch absolute Sachkunde glänzte (die CDU folgte erst bei der Abstimmung zum LHG) war ich bis vorigen Mittwoch überzeugt, dass ich bei der FDP immer noch und trotz Ihrer bisher nicht gehaltenen Zusagen korrekt liege. Seitdem bin ich allerdings sehr im Zweifel.
Da mir in Bezug auf Hunde auch seit langer Zeit keine aktuellen Stellungnahmen der Landes-FDP bekannt wurden, bitte ich Sie hiermit - auch im Namen vieler Düsseldorfer Hundehalter und des Vereins Menschen Tiere Werte - um die sehr schnelle Beantwortung meiner o.g. Fragen - wenn möglich, bitte noch V O R der Landtagswahl am Sonntag.
Auch ich persönlich fühle mich von Frau Lehmhaus beleidigt und diskriminiert - aus diesem Grund schreibe ich Ihnen diesen offenen Brief. Sollte es sich bei dieser Äußerung NICHT um die offizielle Meinung der FDP handeln, so werten Sie diesen Brief bitte als meine Beschwerde über ein FDP-Parteimitglied. Von einem Mitglied einer modernen, liberalen und demokratischen Partei empfinde ich Äusserungen dieser Art als persönliche Ohrfeige.
Da Frau Lehmhaus m.W. Lehrerin ist, bin ich übrigens gerne bereit, sie in meine ehrenamtliche Lehrer-Tätigkeit, die ich zusammen mit meinen zwei Collies als "Kleine Hundekunde" in Düsseldorfer Grundschulen durchführe und anbiete, einzubeziehen. Nicht nur Kindern ist m.E. ein Grundwissen über Hunde und das richtige Verhalten im Umgang mit ihnen (und ihren Haltern!) zu empfehlen, denn sie sind weder Plüschtiere noch reissende Bestien, sondern immer noch unverändert und schlicht "Hunde".
Mit freundlichen Grüßen
Marita Vandicken
Menschen Tiere Werte e.V. Düsseldorf
www.menschen-tiere-werte.de
PS: Ich habe mir übrigens in meinem Leben nicht nur Hunde als problematische Familienmitglieder "angeschafft". Vor fast 20 Jahren haben wir uns sogar ein Kind "angeschafft" - obwohl z.B. Kindergartenplätze damals noch schwieriger zu erhalten waren als heute ! Wie schön, dass dieses Kind am Sonntag mit mir und unseren beiden Hunden gemeinsam zur Wahlurne geht