Streichel-Übungen mit Hund
Köln, 24.5.02Ein Hund in der Schule ist nichts Ungewöhnliches, schließlich gibt es Hundeschulen. Ein Hund in der Grundschule fällt schon eher auf. Rufus, so heißt der Pointer-Dalmatiner-Mischling, ist heute in der Klasse 2a der Grundschule Gellertstraße zu Besuch. Weil seine Schultern höher reichen als 58 Zentimeter, hat Klassenlehrerin Gaby Hönisch eine ganze Schulstunde für ihn reserviert, Überschrift:
„Keine Angst vorm großen Hund“.

Und da Rufus das schlecht selber sagen kann, hat er außer seinem Frauchen Martina Patterson
auch Gabriele Kirschbaum vom Verein „Hunde helfen Menschen“, kurz: HuhMen, mitgebracht.Sie erklärt den Kindern, die sich in einem ordentlichen Stuhlkreis um Rufus versammelt haben, was man beachten muss, wenn man einem Vierbeiner begegnet, der kräftiger gebaut ist als ein durchschnittlicher Zweitklässler. Zum Beispiel: „Geht nur mit einem Hund spazieren, den ihr auch halten könnt.“Da nicken die meisten Kinder brav, und Rufus reicht seinem Frauchen zufrieden die Pfote, so als wollte er sagen:„Die kapieren aber schnell!“ Nur eine kleine Dame zieht die Stirne kraus, meldet sich und sagt: „Ich war schon mal mit einem großen Hund Gassi, aber der war ganz lieb.“
Da stemmt Frau Kirschbaum die Hände in die Hüften und guckt streng:
„Ja, lieb sind die alle. Aber stell’ Dir mal vor, der sieht auf der anderen Straßenseite eine Katze. Dann rennt der los.Und Dich - schleift er einfach mit.“Das ist nicht alles, was Rufus und Frau Kirschbaum den Kindern in dieser Stunde beibringen. Die Kinder lernen auch: dass Hunde 42 Zähne haben; dass Hunde einen unter einer Lawine begrabenen Menschen herausschnuppern können,selbst wenn die Schneeschicht fünf Meter dick ist; dass Zähnefletschen auch Freude bedeuten kann, wenn der Hund nicht knurrt, sondern freundlich mit dem Schwanz wedelt; dass Hunde 17 Muskeln an den Ohren haben und deshalb prima damitwackeln können.Gaby Hönisch, die Klassenlehrerin, freut sich, dass sie Rufus eingeladen hat: „Wir hatten in Heimat- und Sachkunde sowieso den Hund dran.
Aber das ist ja so viel besser, als wenn ich theoretisch irgendwas erzähle.“ So können die Kinder
auch gleich ausprobieren, was sie gelernt haben. Zum Beispiel, wie man richtig an einem Hund vorbeigeht. „Nicht zu nah, und nicht in die Augen schauen“, sagt Frau Kirschbaum. „Sonst denkt der Hund, ihr wollt mit ihm kämpfen.“ Bei den meisten klappt das schon ganz gut. Aber ohnehin ist Rufus ja ein angenehmer Zeitgenosse. „Unsere Hunde sind alle wesensgetestet und geprüft“, sagt Frau Kirschbaum. „Die können Sie stundenlang anstarren, ohne dass was passiert.“Der kleine Mann, der sich gerade noch mutig zur Streichel-Übung gemeldet hat, weiß das natürlich nicht. Dementsprechend nervös ist er, als er an die Reihe kommt. Hastig lässt er Rufus erst schnuppern und patscht dann ungelenk auf seinem Kopf herum. Ein anderer Hund könnte da ziemlich sauer werden. Nicht so Rufus, denn Ruhigbleiben wird belohnt:
Am Schluss gibt es von jedem Kind ein Leckerli, fachgerecht
verabreicht auf der flachen Hand. So was könnte Rufus ab sofort häufiger machen, und wie es scheint, darf er das auch. „Das war heute seine erste Stunde“, lobt Frau Kirschbaum. „Hat er toll gemacht.“ Und siehe da: ein Leckerli findet sie noch.