Verein
"Hunde helfen Menschen" hilft Kindern Tierischer Besuch im
Klassenzimmer
http://www.ngz-online.de/ngz/news/grevenbroich/2002-0214/hunde.htmlHundegebell
statt Ermahnungen der Pauker:
Das steht für die Kinder der Erich-Kästner-Grundschule am
Montag auf dem Stundenplan. Dann heißt es 45 Minuten lang: "Keine
Angst vorm großen Hund". Am "lebenden Objekt",
nämlich an einem Neufundländer, können die I-Dötze
ihr Verhalten im Umgang mit den Vierbeinern prüfen und so Ängste
und Vorurteile abbauen. Initiator dieses etwas anderen Unterrichts ist
der seit 1997 bestehende Verein "Hunde helfen Menschen".
Evi Rose, Leiterin der Bundesgeschäftsstelle in Salzkotten, hatte
damals die Idee zu der Gründung. "Eigentlich entstand alles
nur aus einem dahergesagten Spruch", erzählt sie. Ihr Mann
habe immer wieder Nachbarskinder belehrt, die über den Zaun hinweg
die Hunde des Ehepaars geärgert hätten. "Ich sagte ihm,
er solle doch besser an Schulen gehen, da erreiche er mehr." Zuerst
hätten sie nur gelacht, den Gedanken aber kurze Zeit später
aufgegriffen. "Warum eigentlich nicht", haben wir uns gefragt.
Und den Verein ins Leben gerufen."Mit 170 Mitgliedern ist die Einrichtung
mittlerweile im gesamten Bundesgebiet vertreten.
"Die Mitglieder sind alle selber Hundehalter, und gehen mit ihrem
eigenen Vierbeiner in den Unterricht." Ob Rechtsanwalt, Modedesigner,
Rentner oder Hausfrau - bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern sei so gut
wie jede Berufsgruppe vertreten. "Gemeinsam mit den Mitgliedern
sind 35 verschiedene Hunderassen und Mischlinge im Einsatz." Diese
halten sich dann mit dem Herrchen in der Klasse auf. "Wir bauen
auf den Erfahrungen der Kinder auf. Sie beschreiben zum Beispiel, wie
sie sich verhalten, wenn ihnen ein großer Vierbeiner begegnet
oder wie sie mit ihrem eigenen Hund umgehen. Bemerken wir dabei das
falsche Verhalten, mit dem die Kleinen vielleicht ungewollt das Tier
provozieren oder reizen, proben wir mit ihnen in praktischen Übungen
den richtigen Umgang", erzählt Evi Rose.
Das Ganze solle auf keinen Fall eine Art "Streichelstunde"
werden. "Vielmehr wollen wir den bereits verständigen Kindern
ab der dritten Klasse zu ihrem eigenen Schutz den Respekt vor dem Tier
und soziales Denken und Handeln nahe bringen." Oft erlebe sie im
Alltag auch bei Erwachsenen Fehlverhalten gegenüber Hunden. "Wir
beginnen bewusst bei jungen Menschen, damit sie früh genug sehen,
welche Fehler sie machen", meint Evi Rose. Die Reaktion der Kinder
auf den Unterricht mit den eigens vorher geprüften Hunden sei unglaublich
gut, freut sich die Vereinsgründerin. "Wir bekommen jede Menge
Post von Kindern, die uns von guten Erfahrungen nach diesem Training
berichten."
Auch von Lehrern und Eltern erhalte sie immer wieder positive Rückmeldungen.
"Wir erreichen in einer Dreiviertelstunde sehr viel Veränderung
im Verhalten der Kinder gegenüber den Vierbeinern." Zwar sei
die Zeit zu kurz, um den Schülern zu helfen, die regelrechte Panik
hätten. "Aber für uns ist es schon ein Erfolgserlebnis,
wenn sie ihre Fehler einsehen und sich nach unserem Besuch Hunden gegenüber
anders verhalten. Denn Respekt fängt nicht erst Menschen gegenüber
an."
Anja Pick© ngz-online, Neuss-Grevenbroicher Zeitung