Rede
von Dr. Grüll MdL zum Landeshundegesetz
Düsseldorf,
22.3.02
Der
sozialdemokratische Kniefall vor der grünen Ministerin !
Nach
den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre habe ich vieles erwartet-
Meine Erwartungen sind übertroffen worden und
dies ist wahrlich kein Kompliment
Zwei
Jahre lang hat die Landesregierung den zehtausendfachen Protest unbescholtener
Hundehalter gegen eine Verordnung
ignoriert, die die Hundefreunde in diesem Land verunglimpft und in großen
Teilen kriminalisiert . Zwei
Jahre lang hat die Landesregierung den Protest der Ordnungsämter
in den Städten und Gemeinden ignoriert, die
unter der Last einer nicht umsetzbaren Verordnung gestöhnt haben.
Zwei
Jahre lang hat die Landesregierung die Hilferufe der Tierheime in Nordrhein-Westfalen
ignoriert, die angesichts der durch
die LHV verursachten Hunde- schwemme personell und finanziell
überfordert sind. Dank an die Tierheime ! Zwei
Jahre lang hat die Landesregierung die einhellig ablehnenden Stellungnahmen
renommierter Wissenschaftler ignoriert, die
nicht müde wurden, die Unsinnigkeit von Rasselisten zu thematisieren.
Zwei
Jahre schließlich hat die Landesregierung die schwerwiegenden
rechtsstaatlichen Bedenken u.a. der Landesdatenschutzbeauftragen gegen
die grundrechtseinschränkenden Eingriffe der LHV ignoriert und
somit zwei Jahre lang Verfassungsbruch in NRW geduldet. Ich
hatte die Illusion, dass mit einem Hundegesetz die verantwortliche Politik
in diesem Land zurückfindet zu einer sachlichen Diskussion mit
den Experten und damit auch zu der Erarbeitung sachgerechter Regelungen,
die die Menschen vor gefährlichen Hunden wirksam schützen,
auch
in dem sie Hunde vor unverantwortlichen Menschen schützt, die ihr
Tier missbrauchen und quälen, um Mitmenschen zu bedrohen oder
gar zu verletzen.
Es
gehört zu den ernüchternden Erlebnissen meiner ersten beiden
Jahre in diesem Parlament, jetzt erkennen zu müssen, dass die vermeintliche
Angst einer Ministerin, durch Einsicht und Umkehr, das Gesicht zu verlieren
offenbar größer ist, als die Verantwortung gegenüber
den Menschen in
diesem Land, zu denen eben auch die über 500.000 Hundehalter gehören.
Was,
Herr Kollege Moron, ist aus Ihren Ankündigungen geworden, die LHV
zu korrigieren und den mahnenden Empfehlungen der Experten Rechnung
zu tragen, die eindringlich davor warnen, dass z.B. permanente Leinenpflicht
neue Aggression verursacht. Im
Gesetzentwurf findet sich sogar eine Verschärfung gegenüber
der LHV, in dem zukünftig Leinenzwang für bestimmte Hunde
auch außerhalb bebauter
Gebiete gelten soll. Das soll das Ergebnis sozialdemokratischer Handschrift
sein? Das
ist der rote Kniefall vor einer grünen Ministerin!
Denn
eines ist den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern klar: Die
SPD haftet ab heute für die Höhn´sche Politik gegen
Hundehalter und ihre Tiere
voll mit. Wir beraten nämlich den von den Koalitionsfraktionen
SPD (!) und Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam eingebrachten
Gesetzentwurf . Das
ist nicht mehr nur die VO einer grünen Ministerin!
Die
SPD haftet mit für ein Gesetz, dass mit einem Federstrich das Grundrecht
auf freie Berufsausübung, das Grundrecht auf Unverletzlichkeit
der Wohnung
und das Grundrecht auf Eigentum unter Verzicht auf den Richtervorbehalt
erheblich einschränkt.
Sie
haften mit für ein Gesetz, dass die Beweislast umkehrt und damit
die Axt an die Wurzeln rechtsstaatlicher Prinzipien legt. Wo
ist eigentlich der Aufschrei der grünen Bürgerrechtler? Damit
wir uns nicht missverstehen, auch diejenigen, die gegen LHV und HundeG
protestieren, wollen die Menschen vor gefährlichen Hunden wirksam
schützen. Die verantwortlichen und sachkundigen Hundehalter sind
die überzeugtesten und engagiertesten Kämpfer gegen diejenigen,
die
ihre Tiere missbrauchen, quälen und dadurch zu Beißern
abrichten. Bauen
Sie, verehrte Frau Höhn, auf diese Menschen , ihren Idealismus
und ihre Liebe zu den Tieren, statt sie zu kriminalisieren und in eine
extremistische
Ecke zu stellen.
Hören
Sie auf die, die wissenschaftlich fundiert darlegen, warum Rasselisten
kein taugliches Instrumentarium für den Schutz von Menschen sind.
Wenn
Sie schon nicht der FDP Glauben schenken, vielleicht kann Sie ja eine
der angesehensten Kynologinnen überzeugen. Frau
Feddersen-Petersen, Fachtierärztin für Verhaltenskunde am
Institut für Haustierkunde an der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel hat am 23.12.2001
geschrieben: Aggressivität ist vielursächlich, ist gebunden
an das Individuum, entstanden stets in differenzierter Wechselwirkung
von genetischen
Dispositionen und Umwelterfahrungen.
Und
weiter:
Auch Hunde der benannten Rassen bestechen eben durch eine große
Varianz züchterischen Ursprungs, variieren bezüglich ihrer
Herkunft, ihres
Verwendungszwecks sowie damit verbundener Verhaltensbesonderheiten.
Und
wem das noch nicht reicht:
Hunderassen und insbesondere deren Kreuzungen untereinander können
zudem weder phänotypisch noch genetisch bestimmt werden.
Rasselisten,
die eines Tages zynischerweise fortgeschrieben werden müssen, sind
danach ebenso untauglich, wie die schlichte Gleichung: Großer
Hund gleich böser Hund. Beides aber reicht Frau Höhn und
spätestens seit heute auch der sozialdemokratischen Fraktion,
die
Grundrechte von Hundehaltern in diesem Land hunderttausendfach massiv
einzuschränken. Der
FDP Fraktion reicht das nicht. Im Gegenteil! Das Gesetz, die Verschlimmbesserung
der eigentlich nicht mehr steigerbaren Zumutung - genannt
LHV, bietet keine Grundlage für eine zielführende Diskussion
mit sachgerechter Lösung für einen wirksamen Schutz der Menschen
vor
gefährlichen Hunden. Entspräche
es nicht guter parlamentarischer Tradition, dem Überweisungsantrag
zuzustimmen, die FDP Fraktion würde die offenkundige Beratungsresistenz
der Landesumweltministerin und der sie stützenden Fraktionen von
SPD und Grünen schon heute mit einem klaren NEIN
zu dem Gesetzentwurf quittieren! So
stimmen wir der Überweisung des Gesetzentwurfes in die Ausschüsse
zu, um dort vielleicht das Schlimmste doch noch verhindern zu können.