Offener Brief an Bärbel Höhn zur HundeVO in NRW/03.07.2000
Sehr geehrte Frau Höhn.Ihren Entwurf für eine HundeVO habe ich mit Besorgnis und Trauer zur Kenntnis genommen. Daß der Entwurf hinsichtlich der erwähnten Rassen einige kynologische Fehler beinhaltet, ist sicherlich als das geringste Problem anzusehen. Das Verbot von antiken Hunderassen, die seit mehreren Jahrhunderten ausgestorben sind (z. B. Goralenhund) wirft allerdings ein bezeichnendes Licht auf den zugrundeliegenden Sachverstand und den Qualitätsanspruch Ihrer Verordnung.Schwerwiegender ist für mich, daß Sie quasi das Inhaltsverzeichnis meines Buches "Herdenschutzhunde" in die Sektion "Gefährliche Rassen" Ihrer Verordnung übernommen haben. Wenn Sie einen Schritt weiter gegangen wären und das Buch auch gelesen hätten, wäre Ihnen sehr schnell klar geworden, daß eine pauschalierte Einstufung der Herdenschutzhundrassen als "gefährliche Hunde" haltlos und überzogen ist.Sie sind sicherlich der Meinung, mit dem vorliegenden Verordnungsentwurf für die Bürger des Landes NRW ein gutes Werk getan zu haben. Sie versprechen sich offensichtlich, daß Straftäter, die bisher wissentlich gegen die Strafgesetze der Bundesrepublik verstossen haben und diesen Gesetzen keinerlei Beachtung schenkten, eine HundeVO beachten werden. Ich halte Ihnen entgegen, daß Sie die Hundebesitzer, deren Tiere in der Vergangenheit auffällig geworden sind, mit dieser Verordnung nicht erreichen werden. Sie stürzen nur all jene ins Unglück, die in Einklang mit den Gesetzen unseres Landes leben und deren Tiere noch nie jemanden zu Schaden gebracht haben. Anstatt gezielt gegen Auswüchse in einigen sozialen Randgruppen vorzugehen und Menschen für Ihr Handeln verantwortlich und haftbar zu machen, diskriminieren und verurteilen Sie unbescholtene Bürger. Sie halten sich in Ihren öffentlichen Stellungnahmen stets zugute, daß Sie und Ihre Partei das Wohl der Bürger und der Natur vorrangig im Auge haben. Durch Ihre HundeVO beweisen Sie jedoch, daß Sie Diskrimierung und Holocaust-ähnliche Endlösungen einer sachlich-verantwortlichen Konfliktlösung vorziehen. Hundebesitzer, deren Hunde seit Jahren nachweislich niemanden zu Schaden gebracht haben und die völlig unauffällig in Familien leben, werden durch Ihre Politik kriminalisiert. Die wirklichen Straftäter, die Ihre Hunde einsetzen, um andere Menschen zu nötigen, zu bedrohen oder zu schädigen, blieben bisher jedoch unbehelligt, obwohl die konsequente Anwendung der Straf- und Ordnungsgesetze zu jeder Zeit ausgereicht hätte, Eskalationen zu verhindern.Die Massenverurteilung unschuldiger Hundebesitzer als ultima ratio einer gescheiterten Sicherheits- und Sozialpolitik ist ein Angriff auf die Menschenwürde, der nicht unwidersprochen bleiben darf. Jeder Straftäter gilt so lange als unschuldig, bis er von einem ordentlichen Gericht verurteilt wurde, ein Hundehalter gilt nach Ihrer Verordnung hingegen als schuldig, wenn sein Tier einer bestimmten Rasse angehört und nachweisbar niemandem Schaden zugefügt hat. Ich habe die Gründe, warum Hundeverordnungen, wie die von Ihnen propagierte zum Scheitern verurteilt sind, ausführlich in einem früheren Buch und in einem Artikel im Internet beleuchtet. Sie finden den entsprechenden Artikel unter: http://www.herdenschutzhunde.de/artikel/artikel4.htm , dessen ausführliche Darstellung des Sachverhaltes den Rahmen dieses Briefes sprengen würde.Ich prophezeihe Ihnen an dieser Stelle zwei Dinge: Die Landesregierungen, die tierschutzwidrige, sachlich falsche und die Würde verletzende Hundeverordnungen erlassen haben, werden sich nicht nur einer Klagewelle stellen müssen, sie erzwingen außerdem den zivilen Ungehorsam der Bürger. Da Ihnen die Mitwirkung der Vereine, Verbände, Hundesitzer, Tierschützer und Tierärzte auf breiter Ebene fehlen wird, ist Ihre Verordnung, selbst wenn sie beschlossen und verkündet wird, zum Scheitern verurteilt. Sie werden den Schulterschluß aller gemäßigten Kräfte in diesem Land erleben und eines Tages erkennen, daß Sie eine Chance vertan und das Problem keiner Lösung zugeführt haben.Mit freundlichen GrüßenThomas Achim Schoke